Festung Hohensalzburg – Restaurierung Fürstenzimmer

Mag. Ingrid Rathner / Dipl.-Ing. Clemens Standl

Einleitung, Leistungsspektrum:

Die Baukunst consult GmbH wurde im August 2013 vom Land Salzburg, Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung, mit der Generalplanung der Restaurierung der Fürstenzimmer des Hohen Stockes und der Räumlichkeiten des Rainer Regimentsmuseums beauftragt. Die Baukunst consult GmbH hat im Rahmen des Projektes folgende Leistungen erbracht: Projektmanagement, denkmalpflegerische Projektsteuerung, Historische Objektforschung, Restauratorische Befunduntersuchung, Erstellung des Restaurierungskonzeptes, Erstellung des Vermittlungskonzeptes, Ausstellungsgestaltung, Ausschreibung und Vergabe, Örtliche Bauaufsicht.

 Zur Geschichte der Fürstenzimmer

Der Initialbau von Hohensalzburg geht auf das späte 11. Jahrhundert zurück. Die Festung wurde in den folgenden Jahrhunderten sukzessive zu einer mächtigen Wehranlage. Der ab 1077 errichtete Wohnturm bildet den Kern des  Hohen Stocks. Leonhard von Keutschach (reg. 1495–1519) baute die Festung zur repräsentativen Zwecken aus. Er ließ den Hohen Stock im zweiten und dritten Obergeschoss erweitern. Im Laufe seiner Regentschaft wurde die Festung ein vornehmer spätgotischer Regierungssitz, wie die prunkvollen Fürstenzimmer auch heute belegen. Die Fürstenzimmer entstanden zu Beginn des 16. Jahrhunderts unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach. Die Räume, vor allem die „Goldene Stube“, wurden aufwendig und kostbar in Material und Technik ausgestattet. Hier vereint sich in einzigartiger Weise der Typus des Stuben-Appartements mit Elementen sakraler spätgotischer Ausstattungen. An den heute holzsichtigen Wänden befanden sich einst wertvolle Goldledertapeten, die hellen Abdrücke an der blauen Wandfläche geben die originale Hängung von Ornamenten und Knöpfen wieder.

Mitte 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Historismus, erwachte erneut das Interesse an den Fürstenzimmern. Wie Darstellungen der Goldenen Stube von 1845 zeigen, waren damals bereits Ausstattungselemente wie Wandvorlagen, die Goldledertapeten und Skulpturen verloren. 1850/51 fand unter der Leitung des Malers Georg Pezolt eine grundlegende Restaurierung der Räume statt. Fehlende Teile wurden nach den Vorstellungen Pezolts ergänzt, schadhafte Elemente ersetzt, die Wandflächen und Objektteile in großen Bereichen überfasst. Anstelle der Ledertapeten erhielten die Wände Papiertapeten.

Um die Fürstenzimmer vor Kriegsschäden zu schützen wurde die Ausstattung1942 abgebaut und sicher gelagert. Mit dem Wiedereinbau durch den Bildhauer Jakob Adlhart erfolgte zeitgleich eine Restaurierung der Räume. Vorrangiges Ziel der Maßnahmen war die Entfernung der Arbeiten von Pezolt und die Rückführung in den scheinbar mittelalterlichen Zustand. Da man mit den durchgeführten Maßnahmen von Adlhart nicht zufrieden war, wurde die Goldene Stube in den 1950ger Jahren von Josef Watzinger einer „Nachbehandlung“ unterzogen. Die Sichtfassung an den Wänden geht auf Josef Watzinger zurück. Die Hängung der Ornamente auf Jakob Adlhart.

Ausgangssituation

Die Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg werden im Jahr von rund 1. Million Besucher besichtigt. Bis zum rezenten Umbau gab es für den Bereich der Fürstenzimmer und das Rainer-Regimentsmuseums weder ein schlüssiges, auf das internationale Publikum abgestimmtes Vermittlungskonzept, noch ein auf die konservatorischen Anforderungen abgestimmtes Klima- Licht- oder Brandschutzkonzept.

In den Fürstenzimmern fanden die letzten konservatorischen wie restauratorischen Maßnahmen Mitte des 20. Jahrhunderts statt. Zudem waren die Räume bis in die 80iger Jahre des 20. Jahrhunderts ohne jegliche Absperrung oder Objektsicherung frei zugänglich. Das brachte erheblichen Schäden an der Ausstattung mit sich. Durch den unkontrollierten Sonnenlichteintrag kam es vor allem im Bereich der Bibliotheksvertäfelung zu erheblich photochemischen Schäden an der originalen Farbfassung. Zudem erwiesen sich die bei den letzten Restaurierungen durchgeführten Maßnahmen als problematisch. Insgesamt sind sämtliche Objektteile stark verschmutzt und eine große Anzahl von Elementen durch spätere Überarbeitungen verunklärt.

Zur Methode der kunst- und restaurierwissenschaftlichen
Forschung und Untersuchung

Kunsthistorische Forschung
Am Beginn der Arbeiten standen umfangreiche Forschungen zur Aufarbeitung und Klärung der Restaurier- und Veränderungsgeschichte der wandgebundenen Ausstattung. Mittels kunst- und kulturhistorischer Auswertung sämtlicher Quellen, konnte eine kritische Analyse der ästhetischen und der historischen Dimension des Objektes erfolgen. Dem folgten eine befundorientierte Interpretation und eine kunsthistorische Bestandsanalyse. Dabei wurde jedem einzelnen Ausstattungselemente die, für dieses Element relevante, Bearbeitungs- und Veränderungsgeschichte zugewiesen und in Beziehung zueinander gesetzt. So konnten teilweise erhebliche Veränderungen in Bezug auf Überarbeitungen und Positionierung im Raum diagnostiziert werden. Die Forschungsergebnisse und die sich daraus ergebenden Fragestellungen ermöglichten zielgerichtete und fundierte konservierungswissenschaftliche Befunduntersuchungen.

Restaurierwissenschaftliche Untersuchung
Auf die Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung der komplexen Restauriergeschichte aufbauend, erfolgten die restaurier- und naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Dazu gehören neben der Bestands- und Schadenserfassung sowohl makroskopische wie auch mikroskopische Schichten- und Pigmentanalysen der Fassungen. Diese Analysen unterstützen unter anderem die Identifizierung der verschiedene Zeit- und Überarbeitungsphasen und geben Auskunft über die materialtechnischen Zusammenhänge. Ergänzend wurden dendrochronologische, bauphysikalische und photochemische Untersuchungen durchgeführt. Dabei galt es vor allem eine eventuelle Gefährdung der Substanz durch negative Klimaeinflüsse oder schädlichen Sonnenlichteintrag festzustellen. Ziel der Untersuchung war ein umfassendes Konservierungs- und Restaurierungskonzept.

Kartierung
Um die wandgebundene Ausstattung der Fürstenzimmer in ihrer Gesamtheit in Materialität und Schadensbild zu erfassen, sind detaillierten Bestand- und Schadenskartierungen notwendig. Durch die planliche Aufnahme des Bestandes wird die Vielfalt an Oberflächengestaltungen und Ausführungstechniken ersichtlich. Die Schadenskartierungen stellen die unterschiedlichsten Schäden grafisch dar und ermöglichen Schadensbilder gesondert und in flächiger Zusammenschau zu erkennen. So können mögliche Häufungen von Schäden lokalisiert werden und eventuellen Schadensursachen kann konkret nachgegangen werden. Auf Grundlage des Restaurierungskonzeptes werden Maßnahmenkartierungen erstellt. An Hand der Maßnahmenkartierungen werden den Schäden entsprechende Maßnahmen zugewiesen. Mittels Kartierungen sind die durchgeführten konservatorischen und restauratorischen Arbeiten einzelner Bereiche,  in Umfang und Ausführung nachvollziehbar, zu erfassen.

Restaurierungskonzept
Die wandgebunden Ausstattung der Fürstenzimmer war vor allem auf Grund der zwei großen Restaurierungsphasen teilweise erheblichen Veränderungen unterworfen und befindet sich heute, vor allem die Fassungen, in einem Mischzustand. Da jedoch die Lesbarkeit und Authentizität der Räume in ihrer potentiellen Einheit erhalten blieben, wurde auf mögliche rückführende Maßnahmen verzichtet. Das auf uns gekommene Erscheinungsbild wird als historisch gewachsener Zustand respektiert. Die farblichen Veränderungen an den Wandflächen, die auf die wechselnde Positionierung von Knöpfen und Ornamenten zurückzuführen sind, werden als historisches Dokument belassen. Auf Grund der raschen, ungenauen und materialtechnisch problematischen Ausführung der letzten umfassenden Restaurierung müssen vor allem konservierende und die Qualität der letzten Arbeiten verbessernde Maßnahmen getroffen werden. Alle Fehlstellen an Farbflächen und Metallauflagen werden mittels, für den Betrachter aus der Entfernung nicht sichtbaren, klar zu identifizierenden Retuschen geschlossen.

Restaurierung
Auf Grundlage des Restaurierungskonzeptes wurden eine Musterachse und eine Arbeitsprobe ausgeführt. Neben der Konsolidierung und Oberflächenreinigung von Träger und Fassung war eine optische „Beruhigung“ und „Vereinheitlichung“ der Gesamtwirkung Ziel der Maßnahmen. Störende Beeinträchtigungen, wie etwa Übermalungen und Überbronzierungen wurden abgenommen. Das diffuse Erscheinungsbild der gefassten Oberflächen wurde mittels gezielter Retusche an Farbfassungen und Vergoldungen beruhigt und geschlossen. Als problematisch erwiesen sich die sehr schwach gebundenen, gräulich blauen Wandflächen. Um einen durch die Festigung sichtbaren Farbumschlag zu vermeiden, wurden eingehende Testreihen zur Erprobung geeigneter Bindemittel durchgeführt. Zudem wurde der stark fleckige Zustand der Wandfassung als störend empfunden. Farbveränderungen die auf Schäden wie Abrieb oder Feuchtigkeit zurückzuführen sind wurden mittels Retusche angeglichen, die farblichen Veränderungen, die auf die entstehungszeitliche Hängung von Knöpfen und Ornamenten verweisen, belassen.

Museale Vermittlung und Präsentation

Die Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg werden pro Jahr von ca. 1. Million Besuchern besichtigt. Bis dato existierte kein museales Vermittlungskonzept in den Fürstenzimmern. Im Zuge der abgeschlossenen Neugestaltung der Räumlichkeiten wurde daher auch die museale Vermittlung in den Fürstenzimmer neu organisiert.

Im Mittelpunkt der Vermittlung steht die originale bauzeitliche Ausstattung. Als materieller Träger der Geschichte sind die Fürstenzimmer der zentrale Punkt einer Reise in die Vergangenheit. Die Reise beginnt mit einem neuen Vorbereitungsraum. Hier wird der Besucher mittels eines mechanischen Theaters im Zeitkontext des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit verortet. In den Fürstenzimmern selbst hat der Besucher anhand von mehreren Medienstationen die Möglichkeit sich vertieft über die Geschichte der Räume zu informieren.  Die Einzigartigkeit, Attraktivität und Aura des Objekts wird zum Motor, um tiefer in historische Vorgänge und aktuelle Erkenntnisse einzudringen, Hintergrundinformationen lassen sich gewinnen, die zur Auseinandersetzung auffordern.

Zum Schutz der mittelalterlichen Fußböden wurde ein Besuchersteg konzipiert. Das Randprofil des Steges nimmt sämtliche notwendigen technischen Einbauten vom Licht, der Vermittlung bis hin zur Sicherheits- und Fluchtwegbeleuchtung auf, ohne hier in die historische Substanz eingreifen zu müssen.

Lichtkonzept:
Bis dato existierte keine geplante Beleuchtung der Fürstenzimmer. Die gewachsenen Beleuchtungsstrukturen folgten keinem Konzept und erhellten vor allem unwesentliche Ausstattungselemente. Die sich vor allem im oberen Raumdrittel befindlichen hochwertigen spätmittelalterlichen Schnitzwerke und Malereien waren für den Besucher so gut wie nicht sichtbar. Hinzu kam, dass die in den 1960er Jahren eingebauten Fenster über keinen Sonnenschutz verfügten und der Besucher so durch das eintretende Tageslicht stark geblendet wurde. Studien im  Zuge der Erstellung des neuen Lichtkonzeptes ergaben, dass die Aufenthaltsdauer auf Grund der wenig attraktiven Beleuchtung sehr kurz war.

Das neue gemeinsam mit podpod Design entwickelte Lichtkonzept sieht vor, die hochwertigen Ausstattungselemente des oberen Raumdrittels, sowie die tektonischen Elemente wie Lisenen, Gesimse mittels der Lichtführung hervorzuheben. Die untere holzsichtige Wandzone wird mäßig beleuchtet. Dunkelstes Element der Räume ist der Besuchersteg. Dadurch soll die Aufmerksamkeit des Betrachters weg vom neu eingebauten Steg, hin zu den hochwertgien Ausstattungselementen gelenkt werden. Mit Installation der neuen Lichtinstallation hat sich das Raumerlebnis für die Besucher grundlegend verändert. Der die Räume betretende Besucher begegnet der einzigartigen Ausstattung mit der entsprechenden Wertschätzung. Dank der gelenkten Beleuchtung können die hochwertigen Ausstattungselemente in Ihrer Qualität und Feinteiligkeit wahrgenommen werden.

Begleitende konservatorische Maßnahmen:

Um zukünftig Schäden an der historischen Ausstattung zu minimieren und die Restaurierzyklen zu verlängern wurden zahlreiche begleitende Maßnahmen gesetzt. So wurden etwa das neue Beleuchtungssystem und der Tageslichteintrag auf die Materialität der historischen Ausstattung abgestimmt. Die Reduktion der Besucherzahl bringt mit sich, dass negativen Einflüsse wie etwa Schmutzeintrag oder erhöhte Luftfeuchtigkeit reduziert werden. Gezielte bauphysikalische Maßnahmen, wie z.B. eine kontrolliert gesteuerte Fensterlüftung, führen dazu, dass zukünftig Klimaspitzen abgeflacht werden.

Bauphysikalisches Konzept:
Die Auswertung der Klimamessungen zeigten problematische Klimaspitzen auf welche Schäden an der mittelalterlichen Holzausstattung zurückzuführen sind. Die klimatische Gesamtperformance wird durch gezielte Interventionen geregelt und verbessert. Durch die Dämmung der obersten Geschossdecke wird die Trägheit des Gesamtsystems des Hohen Stockes optimiert. Mit einer Teppichheizung im Besuchersteg und einer Bauteiltemperierung in der verputzten Wand im Goldenen Saal sollte es nunmehr möglich sein, Temperaturspitzen zu puffern und damit klimabedingte Schäden an der Ausstattung zu minimieren. Um eine kontrollierte Lüftung über die Fenster zu ermöglichen, werden diese mit Stellmotoren aufgerüstet, welche, abgestimmt auf  Außen- und Innenklima, gesteuert werden.

Brandschutztechnisches Konezpt:
Da es aus denkmalpflegerischen Gründen nicht möglich ist, hier die normativen Bestimmungen an den Neubau zu 100% zu erfüllen, passte man sich mit vielen einzelnen Interventionen an die gegenwärtigen Regelwerke an. Einen der größten Eingriffe stellte in diesem Zusammenhang sicherlich der Tausch der veralteten Elektroinstallationen und der Brandmeldeanlage dar. Die Decke unter den Fürstenzimmern wurde unter gänzlicher Erhaltung der historischen Oberflächen und der historischen Konstruktionen brandschutztechnisch ertüchtigt. Die historischen Türen wurden mittels minimaler Interventionen rauchdicht hergestellt.

Bauablauf:

Die erste Etappe der Sanierung und Restaurierung des Hohen Stockes wird im Jänner 2016 abgeschlossen. Bis dahin werden sämtliche bauphysikalischen, brandschutztechnischen und elektrotechnischen Maßnahmen sowie die neue Präsentation der Fürstenzimmer hergestellt. Die eigentliche Restaurierung der gefassten Holzausstattung beginnt im Jahr 2016.

Projektübersicht

Beitragsbild: Goldene Stube nach Fertigstellung der neuen musealen Präsentation, Foto: Sören Pagels
Baustellenimpressionen: Ale Carta