Festung Hohensalzburg – Hoher Stock

 FUERSTENZIMMER

Der “Hohe Stock” der Festung Hohensalzburg entwickelte sich aus dem Palas der romanischen Burg. Das heutige Erscheinungsbild geht weitestgehend auf Erzbischof Leonhard von Keutschach (1495-1519) zurück. Im dritten Obergeschoss finden sich die unter Keutschach errichteten “Fürstenzimmer”. Diese stellen ein einzigartiges Ensemble spätgotischer Innenraumgestaltung dar. Die Fürstenzimmer wurden mehrfach, unter anderem durch Georg Pezolt und Jakob Adlhart, restauriert und überarbeitet.

Kunsthistorische Bauforschung, Restauratorische Befundung, Restaurierungsplanung, Projektsteuerung

Geschichte der Fürstenzimmer

1501 – 1850

Die Fürstenzimmer entstanden zu Beginn des 16. Jahrhunderts unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach (reg. 1495-1519). Die Räume, vor allem die „Goldene Stube”, wurden aufwendig und kostbarst in Material und Technik ausgestattet. Hier vereint sich in einzigartiger Weise der Typus des Stuben-Appartements mit Elementen sakraler spätgotischer Ausstattungen. An den heute holzsichtigen Wänden befanden sich einst wertvolle Goldledertapeten, die hellen Abdrücke an der blauen Wandfläche geben die originale Hängung von Ornamenten und Knöpfen wieder.

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Hypothetische Rekonstruktion der wandfesten Ausstattung nach 1500 / Gegenwärtiger Zustand – Detailausschnitt

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1850 – 1942

Mitte 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Historismus, erwachte erneut das Interesse an den Fürstenzimmern. Wie Darstellungen der Goldenen Stube von 1845 zeigen, waren damals bereits Ausstattungselemente wie Wandvorlagen, die Goldledertapeten und Skulpturen verloren. 1850/51 fand unter der Leitung des Malers Georg Pezolt eine grundlegende Restaurierung der Räume statt. Fehlende Teile wurden nach den Vorstellungen Pezolts ergänzt, schadhafte Elemente ersetzt, die Wandflächen und Objektteile in großen Bereichen überfasst. Anstelle der Ledertapeten erhielten die Wände Papiertapeten.

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1942 – 2014

Um die Fürstenzimmer vor Kriegsschäden zu schützen wurde die Ausstattung1942 abgebaut und sicher gelagert. Mit dem Wiedereinbau durch den Bildhauer Jakob Adlhart erfolgte zeitgleich eine Restaurierung der Räume. Vorrangiges Ziel der Maßnahmen war die Entfernung der Arbeiten von Pezolt und die Rückführung in den scheinbar mittelalterlichen Zustand. Da man mit den durchgeführten Maßnahmen von Adlhart nicht zufrieden war, wurde die Goldene Stube in den 1950ger Jahren von Josef Watzinger einer „Nachbehandlung” unterzogen. Die Sichtfassung an den Wänden geht auf Josef Watzinger zurück. Die Hängung der Ornamente auf Jakob Adlhart.

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Restaurierung der Fürstenzimmer

Untersuchung:

Die Grundlage der Untersuchungen bildete eine wissenschaftliche Aufarbeitung und Auswertung der komplexen Restauriergeschichte. Auf diese Forschungsergebnisse aufbauend, erfolgten die konservierungs- und naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Dazu gehören sowohl makroskopische wie auch mikroskopische Schichten- und Pigmentanalysen der Fassungen. Diese Analysen unterstützen unter anderem die Identifizierung der verschiedene Zeit- und Überarbeitungsphasen. Ziel der Untersuchung ist ein umfassendes Konservierungs- und Restaurierungskonzept zum Erhalt der kostbaren Ausstattung.

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Kartierung:

Begleitet werden die Untersuchungen von detaillierten Bestand- und Schadenskartierungen. Die Bestandkartierungen geben die Materialität der sichtbaren Fläche wieder. Die Schadenskartierungen stellen die unterschiedlichsten Schäden grafisch dar. Schadenskartierungen bilden die Basis für die Planung und Ausschreibung von Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten. Sie dienen als Hilfestellung für kunsthistorische Gutachten und als Grundlage für die Restaurierung und Sanierung von Kunst- und Kulturgut.

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Restaurierung:

Nach Abschluss und Auswertung aller am Objekt durchgeführten Untersuchungen wird ein Konservierungs-/Restaurierungskonzept erarbeitet. Unter Berücksichtigung des gewachsenen Zustandes ist neben der Konsolidierung und Oberflächenreinigung von Träger und Fassung eine optische „Beruhigung” und „Vereinheitlichung” der Gesamtwirkung Ziel der Maßnahmen. Störende Beeinträchtigungen, wie etwa Übermalungen/Bronzierungen werden abgenommen. Die Oberflächen durch Retuschen beruhigt und geschlossen.

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Museale Präsentation und Vermittlung

 

Projektübersicht:

Auftraggeber:

Salzburger Burgen & Schlösser Betriebsführung

Bundesdenkmalamt:

DI Eva Hody, Landeskonservatorat für Salzburg

Projektpartner BAUKUNST [consult] – Hoher Stock GsbR:

Rathner – Gefasstes Kunst- und Kulturgut:  Mag. Ingrid Rathner

R&C Erhaltung von Kunst und Kulturgut: Johannes Jäger-Waldau

IB Graf GmbH: Geschäftsführer BM Dipl.-Ing. Thomas Graf

BAUKUNST [architektur] – Dipl.-Ing. Clemens Standl e.U.

>>Impressum

Mitarbeiter BAUKUNST [consult] – Hoher Stock GsbR:

Mag. Wiebke Lüders

Mag. Julia Knollmayr

Anna Kallsperger Bkk.

Mag. Anna Rafael

Carmen Reschenhofer, staatlich geprüfte Restauratorin

Franziska Meißner

Marie von Korff, staatlich geprüfte Restauratorin

Dipl.-Rest. Annette Heiser

Dipl.-Rest. Alexia Stern

Cornelia Kohler, staatlich geprüfte Restauratorin

Doris Grandits

Julia Soulos, BSc.

Johanna Albrecht, BSc.

Dott.ssa Eleonora De Masi

Katherina Keimelmayr, BSc.

Naturwissenschaftliche Untersuchung:

Naturwissenschaftliches Labor, Arsenal, Bundesdenkmalamt

Stein und Putzoberflächen:

Dr. Karl Stingl:  Geologie, Baustoffkunde, Restaurierung

Dr. Johannes Weber:  Inst. für Kunst und Technologie, Naturwissenschaften in der Konservierung, Univ. für angewandte Kunst

Mag. Anna Rafael

Mag. Johannes Duda

Baubiologie:

Univ. Prof. Dr. Katja Sterflinger

Befundung Lederausstattung:

Mag. Markus Krön

Fotogrammetrie  Lederausstattung:

EKG Baukultur GmbH

Bestandsvermessung /Fotogrammetrie Fürstenzimmer:

Linsinger ZT GmbH

Lichtplanung:

Podgorschek & Podgorschek Lighting Design OEG

Elektroplanung:

Ingenieurbüro Tabakoff

Brandschutzplanung:

Hofmann-Brandschutz

Aussrellungsplanung Einführungsraum:

Erlebnisplan GmbH

Aussrellungsplanung Rainermuseum:

Mag. Hans Kropshofer