Zur Restaurier- und Veränderungsgeschichte der Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg

VORTRAG GESELLSCHAFT FÜR SALZBURGER LANDESKUNDE
27. Jänner 2016, 19 Uhr, Erzabtei St. Peter, Romanischer Saal
Mag. Ingrid Rathner 

Einladung und Wegbeschreibung

Die im Auftrag der Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung in den letzten drei Jahren durchgeführten Forschungen zu den Fürstenzimmern auf Hohensalzburg wurde 2015 abgeschlossen. Das umfangreiche Vorhaben brachte eine Vielzahl neuer und interessanter Erkenntnisse, die am 27.01.2016, 19 Uhr, in einem Vortrag bei der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde im Romanischen Saal der Erzabtei St. Peter vorgestellt werden. Die neue museale Präsentation der Fürstenzimmer wird im März 2016 eröffnet.

ZUR GESCHICHTE DER FÜRSTENZIMMER

Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach baut Festung zum repräsentativen Wohnsitz aus

Der Initialbau von Hohensalzburg geht auf das späte 11. Jahrhundert zurück. Die Festung entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten sukzessive zu einer mächtigen Wehranlage. Der ab 1077 errichtete Wohnturm bildet den Kern des Hohen Stocks. Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach (reg. 1495–1519) baute die Festung zur repräsentativen Zwecken aus. Er ließ den Hohen Stock im zweiten und dritten Obergeschoss erweitern. Im Laufe seiner Regentschaft wurde die Festung ein vornehmer spätgotischer Regierungssitz, wie die prunkvollen Fürstenzimmer auch heute belegen.

In den Fürstenzimmern vereinen sich weltliche und geistliche Ansprüche der Fürsterzbischöfe

Die um 1500 unter Leonhard von Keutschach entstandenen Repräsentationsräume bestehen aus einem großen Festsaal (Goldener Saal), einer Stube (Goldener Stube), einer kleiner Bibliothek und einer Schlafkammer. Die Fürstenzimmer dienten vermutlich als Wohnung fürstlicher Gäste und zu Repräsentationszwecken. Hier vereint sich in einzigartiger Weise der Typus des Stuben-Appartements, wie man es auf vielen Burgen und auch auf historischen Bauernhöfen findet, mit Elementen sakraler spätgotischer Ausstattungen. Die Räume, vor allem die „Goldene Stube“, wurden aufwendig und kostbar in Material und Technik ausgestattet und vereinen in sich den Anspruch Leonhard von Keutschachs als Reichsfürst und geistlicher Würdenträger. Diese Doppelfunktion tritt sowohl im Typus der Ausstattungselemente wie auch in der Vielzahle von Darstellungen zutage, die auf den Machtanspruch des Fürsterzbischofs verweisen. Leonhard von Keutschach war der einzige Salzburger Fürsterzbischof der auf Hohensalzburg residierte.

Nach Leonhard von Keutschach wurden Fürstenzimmer nicht mehr genutzt

Der Nachfolger Keutschachs, Matthäus Lang von Wellenburg (reg. 1519-1549), zog wieder, wie die Fürsterzbischöfe davor, in den Bischofssitz in der Stadt. Diesem Umstand ist wohl zu verdanken, dass die Ausstattung der Fürstenzimmer die Zeiten überdauern konnte und nicht den Modernisierungswillen der nachfolgenden Bischöfe geopfert wurde. Zudem waren die Räumlichkeiten bis in das 19. Jahrhundert nicht frei zugänglich und konnten nur gegen entsprechende Einladung besucht werden. Zu großen Verlusten in den Fürstenzimmern kam es vor allem während der napoleonischen Wirren und der Zeit bis 1816, als Salzburg endgültig Österreich zugeschlagen wurde.

Interesse an Fürstenzimmern erst wieder in der Zeit des romantischen Historismus 

Mitte 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Historismus, mit dem neu erwachten Interesse an der Salzburger Landesgeschichte, rückten auch die Fürstenzimmer wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.  So fand die erste grundlegende Restaurierung der Räume 1850/51 unter der Leitung des Malers Georg Pezolt statt. Fehlende Teile wurden nach den Vorstellungen Pezolts ergänzt, schadhafte Elemente ersetzt, die Wandflächen und Objektteile in großen Bereichen überfasst. Die wertvollen Ledertapeten die einst die holzsichtigen Wände schmückten und zu Beginn des Jahrhunderts verschwanden, wurden mittels Papiertapeten ersetzt, die Hängung der Ornamente und Knöpfe wurde verändert. Pezolt überfasste die Räume mit leuchtenden Ultramarinblau. Bei der Restaurierung 1850/51 wurden keine Kosten gescheut und das kostbare blaue Pigment Ultramarin verwendet, das man durch feines zerreiben des Edelsteins Lapislazuli gewinnt.

Abbau der Fürstenzimmer während des Zweiten Weltkriegs und Wiederaufbau

Um die Fürstenzimmer vor Kriegsschäden zu schützen, wurde die Ausstattung 1942 abgebaut und sicher gelagert. Mit dem Wiedereinbau durch den bekannten Bildhauer Jakob Adlhart erfolgte zeitgleich eine Restaurierung der Räume. Vorrangiges Ziel der Maßnahmen war die Entfernung der Arbeiten von Pezolt und die Rückführung in den scheinbar mittelalterlichen Zustand. 1957 wurde die Goldene Stube einer „Nachbehandlung“ durch Josef Watzinger unterzogen. Die Sichtfassung an den Wänden und die Hängung der Ornamente gehen auf Watzinger zurück. Das helle Graublau der Wandflächen der Fürstenzimmer, das heute den Raumeindruck dominiert, stammt aus dieser Überarbeitungsphase.

NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE ZUR RESTAURIER- UND VERÄNDERUNGSGESCHICHTE  DER FÜRSTENZIMMER

Restaurierwissenschafltiche Untersuchungen

Ziel der aufwendigen Untersuchung war es einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen, die Zeitschichten der letzten Jahrhunderte in den Fürstenzimmer offenzulegen. Neben den Auswertungen von historischen Quellen kamen vor allem modernste natur- und restaurierwissenschaftliche Analysemethoden wie die Auswertung von Querschliffen der Farbsichten, Pigment- und Bindemittelanalysen sowie dendrochronologische Untersuchungen zur Bestimmung des Holzalters und der verwendeten Hölzer zur Anwendung. Sämtliche Ausstattungselemente wurden in detaillierten Bestands- und Schadenskartierungen erfasst.

Untersuchungen legen historische Techniken und Materialien offen

Die Untersuchungen am Objekt geben Auskunft über unter Leonhard von Keutschach verwendeten Techniken und Materialien und decken Veränderungen und Überarbeitungen auf, die im Laufe der Jahrhunderte vollzogen wurden.

So bestätigt die Auswertung der dendrochronologischen Untersuchungen, dass die in den Fürstenzimmern verwendeten Hölzer durchgehend aus der Zeit um 1500 stammen. Interessant ist, dass in allen Räumen, mit Ausnahme der Goldenen Stube, herkömmliches Fichten oder Tannenholz verarbeitet wurde. In der Goldenen Stube hingegen, dem von seiner Bedeutung hochwertigsten Raum, kam das teurere Zirbenholz zum Einsatz. Die Bedeutung der Räume spiegelt sich so auch in der Wahl der Materialien wieder.

Helle Flecken an Wandfassung als Zeitfenster ins Mittelalter

Als entstehungszeitliches blaues Farbpigment konnte zum Beispiel der kostbare Azurit, das sogenannte Bergblau, identifiziert werden, das gemeinsam mit den zahlreichen Vergoldungen vom Reichtum des Fürsterzbistums während der Regentschaft von Keutschach zeugt. Die heutigen hellen Flecken an den mattblauen Wandflächen in der Goldenen Stube geben die originale Hängung der Knöpfe und Ornamente aus der Keutschachzeit wieder.  Die Flecken sind auf eine chemische Reaktion des unter Keuchach verwendeten Farbpigmentes Azurit  mit dem von Georg Pezolt verwendeten Ultramarin zurückzuführen, mit dem dieser im 19. Jahrhundert die azuritblauen Wandflächen übermalte. Die chemische Reaktion der Pigmente, also das Durschschlagen der Farbschichten aus 1500, erlauben uns heute, die Hängung der Ornamente aus der Erbauungszeit zu rekonstruieren.

Nach dem Wiederaufbau der Räume bis 1957 erhielten die blauen Wandflächen der Goldenen Stube den heutigen, einst türkisblauen Farbauftrag, der sich über die Jahre in das helle Graublau verwandelte. Da die Ausführung dieser Überarbeitung technisch nicht richtig durchgeführt wurde, bleiben die hellen Flecken, die die originale Hängung der Ornamente wiedergeben, auch nach dieser Restaurierung sichtbar. Die hellen Flecken an der Wand können somit als Zeitfenster ins Mittelalter verstanden werden, anhand dieser jeder Besucher einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen kann.